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Persönlicher Brief von Timo C. Storost über das Ende von Family TV / tm3

„Der Kampf hat mich müde und krank gemacht“
Bin die letzten 2,5 Jahre auf Scherben gegangen!

6Wenn am heutigen Sonntag um Mitternacht das Sendesignal abgeschaltet wird, dann wird es ein befreiendes Gefühl für mich sein. Der Kampf ist zu Ende, der Druck ist weg, man muss nicht mehr funktionieren, man gewinnt das Leben wieder zurück. Ein Leben, dass in den vergangenen zweieinhalb Jahren keines mehr war und dennoch bin ich stolz, dankbar und glücklich über die 10 Jahre. Denn gleichzeitig war es auch eine geile Zeit, eine beispiellose Geschichte, wie Träume real werden können und mit Disziplin, Leidenschaft, Glück und den richtigen Menschen ein Lebenswerk von besonderer Bedeutung geschaffen werden konnte. Ich bin in all diesen Jahren unheimlich vielen Menschen begegnet, habe sie kennenlernen dürfen. Es waren Menschen, die mir Glück brachten, die mir in all diesen Jahren stets zur Seite standen, Freundschaften daraus entstanden, aber auch Menschen, die mir eine Lektion verpasst haben. Aber es waren nicht die einzelnen Geschichten oder Momente so prägend, sondern wie man sich selbst immer wieder verändert hat, wie man an jeder erlebten Geschichte daran gereift ist, wie man gelernt hat.

Für viele mögen schon jetzt diese Worte wie eine schallende Ohrfeige wirken und viele werden sich denken: „Wie kann er auf diese Zeit dankbar sein?“ oder „Stellt er sich wieder nur als ´Opfer´ da und sieht seine Fehler nicht ein und feiert sich stattdessen selbst und klopft sich dabei noch auf die Schulter?“, waren und sind sicher Gedanken vieler. Es bedarf keiner Rechtfertigung meinerseits gegenüber Menschen, die in all diesen Situationen nie gesteckt haben. Bei keinen Hochs und bei keinen Tiefs je dabei gewesen waren. Und schon allein deswegen, muss ich mich solchen Menschen gegenüber nicht dafür rechtfertigen und doch gebe ich genau diesen Menschen mit auf den Weg, dass ich mich selbst nie als „Opfer“ von irgendetwas oder von irgendjemandem hingestellt habe und doch habe ich gleichzeitig auch das Recht, dankbar und stolz auf diese 10 Jahre zu sein, denn ich und all diese Menschen, die mir in den vergangenen Jahren zur Seite standen, haben etwas geschafft, was uns definitiv keiner nachmachen wird können.

Mit 0.- Euro zu einer Zeit, als das Wort „Internetfernsehen“ für so ziemlich alle noch ein Fremdwort war, einen Sender zu gründen, ohne Investoren, ohne irgendwelche Bankkredite oder sonstiger finanzieller Unterstützung und diesen über Jahre hinweg aufzubauen, bekannt zu machen und schließlich ihn 10 Jahre zu betreiben und mehrere Millionen Euro an Umsatz zu machen, ist in dieser Konstellation einmalig. Für viele mögen es schallende Worte sein, wenn ich sage: Vor 10 Jahren kannte mich und den Sender niemand und heute kennen ihn nahezu alle und nahezu jeder interessiert sich für meine Person und den Sender. Das sind nun mal wahre Worte und damit „feiere“ ich nicht meine Fehler, sondern feiere die geilsten Menschen überhaupt, die mich und den bzw. die Sender über all die Jahre in welcher Form auch immer unterstützt und daran geglaubt haben. Ich habe viele Sender in den vergangenen 10 Jahren kommen und wieder gehen gesehen und wir blieben und das zu schaffen, mit Elan, Disziplin, Leidenschaft, Kampfgeist und dem unabdingbaren Willen, es zu schaffen, besser zu werden, aus Fehlern zu lernen und es beim nächsten Mal besser zu machen und selbst in jeder Situation daran zu wachsen und zu reifen.

Über positive Sachen hätte in der Vergangenheit nie einer geschrieben und so bekam ich öffentlich die Rolle des „Badboy der Medienbranche“. Auf einmal kommt da einer daher und versucht es mit den großen aufzunehmen. Mir sagte man nach, ich hätte die Landesmedienanstalten mit dem Nasenring durch die Manege geführt. Nein, definitiv nicht, aber ich habe gelernt, mich zu verteidigen. Und ja, ich konnte es auch mit den großen aufnehmen. Ich war irgendwann nicht mehr derjenige, der die Dinge, ganz gleich, wie sie geschehen waren, einfach so hingenommen hatte. Jede Geschichte war eine Prüfung für mich. Manche habe ich gemeistert und manche nicht. Und wenn ich eine Prüfung einmal nicht gemeistert habe, dann habe ich aus ihr gelernt.

Es mag sich suspekt anhören, aber ich bin unheimlich dankbar über die Menschen, die mit mir gekämpft haben und Menschen, die Mensch geblieben sind und mir die 2. Chance gewährt haben in vielen Dingen, aber gleichzeitig habe ich auch auf viele Menschen gepfiffen, die verlogen und illoyal waren. Auch mit solchen Menschen wusste ich irgendwann umzugehen. Und ein Teil dieser Menschen hat sich in den vergangenen zwei Wochen über mich geäußert. Menschen, die mich „beschrieben“ haben und meinten, mich zu kennen. Menschen, die mich gerade einmal ein paar Wochen oder eventuell nur wenige Monate kannten, aber gleichzeitig nie ein „Kampf“ mit mir zusammen geführt haben, geschweige mich überhaupt richtig kennenlernten, denn eines darf man nicht vergessen: Man schlüpfte morgens auf dem Weg in den Sender in eine Rolle, musste stark sein, wenn man am Boden war, musste lachen, wenn man lieber hätte weinen wollen, musste nett sein, wenn man lieber „Arschloch“ gesagt hätte, musste Ja zu etwas sagen, obwohl man gerne Nein gesagt hätte, aber all das setzt das Business voraus. Ist man geschäftlich so, wie man privat ist oder auch umgekehrt, geht das ganze in die Brüche und so war ich oftmals in Situationen gekommen, in dem ich entscheide musste, schütze ich mich und mein Business oder gehe ich unter, nur damit der andere überleben kann, hauptsächlich eigentlich bei Menschen, die es genauso wenig interessierten, was aus mir oder dem Sender werden würde, sondern einzig auf ihren Kontostand blickten. Natürlich war jeder Mitarbeiter und jeder (kleinere) Lieferant im Endeffekt von mir finanziell abhängig, aber wenn ich gemerkt habe, dass mir eher jemand schaden, als helfen will, konnte ich das „Arschloch“ sein, dass man mir heute nachsagt. Man sagt mir nach, ich sei „kalt“, „gefühllos“, „herzlos“ und weiteres. Im Business schaut nur jeder auf sich und wer nicht „kalt“, „gefühllos“ und „herzlos“ ist, der geht gnadenlos unter.

Diese Rolle durfte ich tagtäglich, mit Ausnahme vielleicht am Wochenende „spielen“. Wer ich privat war oder bin, das wissen letztlich nur diejenigen, die mich auch privat wirklich kennen und das geschieht nicht innerhalb von Wochen oder wenigen Monaten. Und ja, diese Rolle habe ich mir im Endeffekt auch selbst ausgesucht, wobei als ich vor 10 Jahren anfing, da wusste ich noch nicht, wie hart man sein muss um voranzukommen. Diese Erkenntnis kam erst mit der Zeit. Andersherum war und bin ich auch für die engsten und wichtigsten Menschen in meinem Umfeld jemand, der ihnen hilft, egal um was es geht und dafür im übertriebenen und übertragenen Sinne „töten“ würde.

Und natürlich war man in all dieser Zeit auch auf unfassbar viele Menschen selbst angewiesen, damit das eigene Lebenswerk nicht zugrunde geht. Egal ob das Werbekunden, Rechtsanwälte, Gerichte etc. waren. Viele halfen, einige nicht und so lernte ich irgendwann auch selbst, was „Karma“ bedeutet und habe ab da aufgehört, die Dinge, die um mich herum passieren – die positiven Dinge – für selbstverständlich zu nehmen.

Der Kampf meines Lebens begann im September 2016, als das Verwaltungsverfahren durch die LfK und die BLM eingeleitet wurde. Ich hatte viele Tage und Nächte, an dem mich die Angst heimgesucht hatte, große Sorgen hatte, dass mein Lebenswerk zerbrechen würde und war ab diesem Zeitpunkt noch mehr von anderen Menschen abhängig mir zu helfen und mich aus dieser scheinbar unabdingbaren Situation zu befreien. Als im Juli 2017 öffentlich wurde, dass die Rundfunkzulassungen durch beide Behörden entzogen wurden, sah ich mein Lebenswerk zerbrechen, alles über mich einstürzen. Meine zuvor gemachten Fehler suchten mich heim und ich sah keine Chance, diesen Kampf zu gewinnen. Man zeigte mir sehr deutlich auf, was Grenzen sind und das Fehler bitter bestraft werden.

blizz, wie es damals noch hieß musste ich opfern, denn der Kampf gegen die BLM und gegen das VG Augsburg und dem VGH München war zu groß, um blizz zu retten, denn hier entschieden die Gerichte im Eilverfahren äußerst zügig und die BLM lies nicht locker und keinen Versuch ungenutzt und so brachen alle Empfangswege, bis auf den eigenen Livestream von blizz, was zuletzt ja tm3+ hieß, völlig weg und ohne das ich mich hiergegen hätte wehren können. Einzig unseren Livestream konnte ich für blizz schützen, in dem ich gegen die BLM rechtlich auf allen Bereichen gekämpft habe. Bis März 2019 konnte so blizz, was seit dem 13. Januar 2019 dann tm3+ hieß, senden.

Das größte Geschenk und ja so muss man es tatsächlich beschreiben, bescherte mir jedoch Dr. Friedrich Klein, Vorsitzender Richter am Verwaltungsgericht Stuttgart. Das Eilverfahren das im Endeffekt nach anderthalb Jahren keines mehr war. Schon im August 2017 schob er der LfK gleich einen Riegel vor und schützte mich bzw. uns für etwaigen Vollstreckungsmaßnahmen durch die LfK. Er wies die LfK auf die fehlerhafte Rechtsbehelfsbelehrung in ihrem Widerrufsbescheid hin, setzte sich intensiv mit der Materie auseinander und machte es sich gefühlt nicht so leicht, wie die Kollegen aus Bayern, die das Eilverfahren negativ beschieden hatten mit nahezu exakt der gleichen Formulierung, wie es die BLM in ihrem Widerrufsbescheid getan hatte. Aber auch der LfK gilt es zu danken, denn als man seitens des Gerichts zuletzt im März 2018 hörte, ruhte das Verfahren auch auf Seiten der LfK. Kein Schreiben, kein Anruf oder ähnliches seitens der LfK seitens dem Gericht und auch auf unserer Seite wurde das Verfahren nicht mehr vorangebracht, zumal auf den letzten Schriftsatz von meinem Anwalt, dass der LfK sicherlich über das Gericht zugegangen war, gab es seitens der LfK keine Stellungnahme mehr. Und so lag das „Eilverfahren“ 11 Monate brach. Und dadurch und auch dem Umstand geschuldet, dass ich aus meinen Fehlern im Rahmen meiner Möglichkeiten gelernt hatte und es versuchte besser zu machen, konnten wir tatsächlich unser großes 10-jähriges Jubiläum feiern. Und somit muss ich mich sehr aufrichtig und ehrlich beim Vorsitzenden Richter der 10. Kammer des Verwaltungsgerichts Stuttgarts Herrn Dr. Friedrich Klein, sowie der gesamten LfK, vor allen dem stellvertretenden Präsidenten Herrn Ingo Nave und seinem Mitarbeiter Herrn Valentin Schleifenbaum bedanken. Und all diese Worte sind absolut ehrlich und aufrichtig gemeint. Diese „Dankes-Worte“ hatte ich der LfK in einem Telefongespräch Mitte Januar 2019 auch selbst mitgeteilt.

Was mich aber dennoch leicht irritiert hatte, war ein Statement von der ZAK-Vorsitzenden Cornelia Holsten, die in einem Interview sagte, dass das Verfahren durch die Landesmedienanstalt nicht verzögert wurde. Gut, verzögert wurde es in der Tat nicht, aber auch nicht zwingend gefördert.

Es gab im vergangenen Jahr irgendwann einen Punkt, an dem ich anfing, daran zu glauben, dass wir das Verfahren vor dem VG Stuttgart tatsächlich doch noch gewinnen können, denn zum einen gab es keinen Grund einer etwaigen Beanstandung durch die LfK, noch schien das Gericht den Drang zu verspüren, aufgrund der ursprünglich von der LfK einst vorgebrachten Dringlichkeit darüber zu entscheiden und da sich auch die LfK nicht mehr an das Gericht wandte, stieg meine Hoffnung und so kam irgendwo wieder Alltag in das Leben, wenngleich man nie vergaß, dass über einem ein Damoklesschwert schwebt und jederzeit über das „Eilverfahren“ entschieden werden konnte, während in Bayern dann zwischenzeitlich auch im Hauptsacheverfahren in erster Instanz entschieden wurde, hatte ich große Sorge, dass sich das die LfK irgendwann zu eigen machen würde und das dem VG Stuttgart „unter die Nase reibt“, was die Kollegen aus Bayern befinden und argumentieren, wenngleich der Fall nicht gänzlich 1:1 vergleichbar war.

Die vergangenen zweieinhalb Jahren waren geprägt von Kampf und Schmerz. Um sich herum hat man mit der Zeit nicht nur eine Mauer aufgebaut um „funktionieren“ zu können, sondern ich fing an, alles auch zu hinterfragen. Immer und immer wieder seit Ende 2017 habe ich alles um mich herum, was geschehen war, reflektiert, wie ein Film der ständig vor meinen Augen flimmerte. Und so wurde ich zu einem anderen Menschen. Ein Mensch, der anfing die Dinge, die um einen herum geschehen, zu hinterfragen, bewusster wahrzunehmen, zu reflektieren und ihnen mit Respekt zu begegnen, gleichzeitig aber auch, waren die positiven Dinge, die irrationalen Erlebnisse, die ich bis dato noch nicht so kannte oder wahrnahm, etwas, was ich lernen musste und versuchte sie „zu greifen“ und zu verstehen und ihnen gegenüber demütiger zu sein, als ich es glaube ich je in meinem Leben gewesen war.

Von morgens bis zum teils späten Abend musste ich „funktionieren“. Die Kraft nahm ich mir durch den Glauben an Gott, dass das richtige geschehen wird und wenn ich meinen Teil dazu beitragen würde, auch alles gut werden wird. Und aus heutiger Sicht ist für mich auch alles gut. Das hat überhaupt nichts mit einer rosaroten Brille oder Verblendung oder einem Nicht-Wahrhaben-Wollen zu tun, sondern mit dem Umstand, dass gerade in all diesen schwierigen Momenten so viele nicht erklärbare positive Dinge geschehen sind, die währenddessen, als auch im Rückblick so kostbar waren und auch nach wie vor sind, dass die Dankbarkeit über all das positive überwiegt. Alleine der bereits beschriebene Umstand, dass trotz des Zulassungswiderrufs durch die LfK im Juli 2017 wir bis heute, den 31. März 2019 – dank dem Herrn Dr. Friedrich Klein und zu teilen auch der LfK selbst, senden konnten und wir es prozessual auch noch die nächsten Wochen und Monaten hätten tun können, denn auch wenn das Eilverfahren in erster Instanz verloren wurde, so war es meinem Anwalt, der so schnell für mich da war und ein ganzes Wochenende lang die Beschwerdebegründung nach § 146 VwGO schrieb, so dass diese dann am Montag (25.02.2019) an den Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg nach Mannheim geschickt werden konnte, woraufhin der Präsident des VGH am Dienstag sich telefonisch bei der LfK meldete und darum bat, keine Vollzugsmaßnahmen zu ergreifen, so lange nicht über das Beschwerdeverfahren entschieden wird. So bin ich auch dem Präsidenten des VGH Herrn Volker Ellenberger außerordentlich dankbar.

Die Entscheidung den Sendebetrieb zum heutigen 31. März 2019 einzustellen, hatte keine prozessualen Gründe, denn in gewisser Weise wären wir durch die baden-württembergische Justiz die nächsten Wochen und Monate „geschützt“ gewesen. Und es hatte auch nichts mit meinem persönlichen Verfahren vor dem Amtsgericht Augsburg am 12. März 2019 zu tun. Nein, die Entscheidung hierüber hatte ich final bereits im Februar getroffen. In mir selbst geisterte der Gedanke das erste Mal bereits Anfang 2018, in dem ich mit einigen Menschen im privaten Umfeld darüber sprach, dass ich diesen Kampf leid bin, er mich müde macht, jeden Tag aufs Neue mich diesem Kampf zu stellen, dafür zu sorgen, dass ich potenziellen Schaden abwende, für frisches Geld durch Neukunden sorge und die aufgelaufenen Schulden Stück für Stück zurückzahle, die durch die Beauftragung verschiedenster Medienanwälte im Kampf gegen den Lizenzentzug, leider entstanden waren. Täglich gefangen in einem Hamsterrad und teilweise nicht zu wissen, wie man herauskommt. Und auch nach Feierabend beschäftigte man sich gedanklich mit dem heute erlebten und was morgen auf einen zukommt und was es alles zu erledigen galt. Immer wieder erlebtes irrationales und den Glauben an Gott, haben mich „über Wasser gehalten“ und als das große 10-jährige irgendwann „greifbar“ war, schien ich phasenweise zu einer Kraft zu gelangen, die in mir sagte, dass ich das 10-jährige auf jeden Fall erreichen möchte und ich jedem aufgetretenen Widerstand die Stirn bieten werde können und es nichts geben wird, was mich daran hindern könnte, es nicht zu schaffen. Das war eine Zeit, in der ich anfing, weit über meine körperlichen und psychischen Grenzen zu gehen, fast ein ganzes Jahr lang. Irgendwann habe ich das auch bewusst wahrnehmen können, dass dieses „Spiel“ ein Spiel mit dem Feuer ist und man das Dauer nicht wird durchhalten können, ständig über seine Grenzen und darüber hinaus zu gehen.

Allein von letztem Oktober bis hin in den März hatte ich keine Fünf-Tages-Woche mehr, sondern eine Sechs-Tages-Woche, also nur noch einen freien Tag in der Woche, was absolut nicht ausreichte, um einmal tief Luft holen zu können. Das sonntägliche Ausschlafen war kein „entspanntes“ Ausschlafen, sondern ein erschöpfendes Schlafen. Mein Körper war durch die vergangenen sechs Tage stets so erschöpft, dass ich am Sonntag auch mal gut und gerne 10 Stunden schlief, aber trotzdem nicht erholt war. An den anderen Tagen konnte ich zwar gut und schnell einschlafen, aber waren es meist nicht mehr als fünf Stunden pro Nacht. Es war ein erschöpftes Einschlafen. So gab es auch oft Abende, an denen ich bis spät in die Nacht auch noch von Zuhause aus arbeitete und dann erschöpft ins Bett fiel und am nächsten Morgen kaum aus dem Bett kam. Auch die wenigen Stunden nach Feierabend bis zum nächsten Morgen waren zu kurz, damit sich der Körper und der Geist hätten erholen können. Das Lachen fiel mir in dieser Zeit schwerer, ich war gedanklich immer bei den Dingen, die es zu klären, zu lösen oder zu erledigen galt, aber nie da, wo ich gerade war.

Als dann das 10-jährige vor der Tür stand, behaftet von kleineren bis mittleren Problemen und ich noch meine letzte Kraft investierte und in mir die Überlegung kam, es mit dem 12. Januar 2019, dem Tag, an dem die große Jubiläumsshow live aus Dortmund gesendet wurde, sein zu lassen, holte mich immer wieder ein. Andererseits gab es da noch die Marke „tm3“, deren Rechte seit 2017 bei uns lagen und mir zwar klar war, dass ein weiterer Wachstum unter dem Namen „Family TV“ nicht mehr möglich gewesen wäre und die Marke „tm3“ so viel Bekanntheit und Potenzial hat, dass ich es mit Sicherheit irgendwann bereuen würde, es nicht versucht zu haben, zu mal ich im vergangenen Jahr 2018 bei vielen Agenturen vorsprach und das neue tm3 vorstellte und überall mit so viel positivem Feedback nach Hause ging, dass klar war, ich muss es versuchen, wenngleich mir nicht klar war, woher ich die weitere Kraft für nach dem 10-jährigen hernehmen sollte, war es der unabdingbare Wille und das Adrenalin, dass mir sagte: „Nein, wir hören noch nicht auf, ich will´s nochmal wissen.“

Und so kam dann das große 10-jährige. Schon an dem Donnerstag zuvor wurde ich krank, was mir klar war, dass nach der ganzen monatelangen Anspannung, der nun abfiel, mein Körper vor lauter Erschöpfung krank geworden war. So kam das große 10-jährige und viele wichtige Personen waren an diesem Abend dabei, wenngleich es bis vor wenigen Stunden davor noch gar nicht so sicher war, ob die Live-Show steigen könnte, denn – und dieser Person bin ich leider überhaupt nicht dankbar, für das was er getan hat – Georg Fischer, der Produzent der Sendung, den ich einst über Andreas Lambeck, Geschäftsführer von sonnenklar.TV kennengelernt hatte, meinte sich zusammen mit Achim Holzmann, der für die Übertragung und die Technik verantwortlich und zuständig war, das scheinbare Recht herauszunehmen, über die Sendung zu bestimmen zu können, in dem er durch sein völlig falsches Rechtsempfinden, der Auffassung war, wir könnten den Relaunch von Family TV in tm3 gar nicht vornehmen. Und so saß ich mit ihm, wie ein kleiner Schuljunge vor ihm und Achim plus dem Geschäftsführer von der Megamix GmbH Moritz Andersen und seinen zwei völlig desolaten Mitarbeitern Saskia und Denny und „durfte“ mich immer und immer wieder für etwas erklären, was all diese Menschen auf gut Deutsch einen absoluten Scheißdreck anging. Ich ging mit ihnen immer und immer wieder das baden-württembergische Landesmediengesetz und den Rundfunkstaatsvertrag durch und zeigte auf, dass wir für den Namenswechsel – entgegen deren nicht vorhandenen juristischem Wissen – eben keinen Antrag bei der LfK hätten einreichen müssen. Über Stunden ging das so, bis in den späten Freitagabend hin, denn Georg Fischer wollte die bereits mit 15.000.- von knapp 18.000.- bezahlten Euros nicht (mehr) live übertragen, weil sie sich auf einmal davor „fürchteten“, dass sie rechtliche Konsequenzen zu befürchten hätten, obwohl wir dieses Thema bereits in den Tagen und Wochen zuvor immer und immer wieder besprochen hatten und das eigentlich klar war. Sein absurder „Vorschlag“ die Sendung live on Tape aufzuzeichnen und dann später auszustrahlen hatte ich verworfen, denn die Sendung war bereits seit einigen Wochen für den 12. Januar 2019 angekündigt. Dann, nach zwei Stunden „Pause“, in dem sich Georg Fischer mit seinem Geschäftsführer Moritz Andersen „besprochen“ hatte, wurde mir eine – im Nachhinein völlig absurde – Bedingung aufgegeben, die lautete, ich verpflichte mich eine von Megamix produzierte Musikclip-Show ins Programm aufzunehmen und diese täglich auszustrahlen. Von den angeblichen „Befürchtungen“ der beiden, sie könnten rechtliche Konsequenzen erleiden, absolut keine Spur mehr. Nein – ich solle mich dazu verpflichten, eine tägliche Clipshow auszustrahlen, deren Sendeplatz mir überlassen wird. Man könnte dies auch als eine gewisse Art von Erpressung auslegen.

Ja, der Georg Fischer hatte mir auch schon in den Wochen zuvor erhebliche Kopfschmerzen bereitet. An einem Samstag im Dezember schrieb er mir morgens eine WhatsApp-Nachricht, in dem er mitteilte, dass er Megamix mit sofortiger Wirkung verlassen werde. Als ich seinen Kollegen gleich in der Früh anrief, wusste dieser kaum darüber etwas, geschweige, wie es denn nun weitergehen solle, obwohl ich mit Megamix längst den Vertrag für das 10-jährige Jubiläum, so wie auch für die Hitparade, den Ballermann-Award usw, unterschrieben hatte. Wie ich erfuhr, hatte er sich mit Moritz Andersen kurzzeitig überworfen, als er dann am darauffolgenden Montag wieder mit an Bord war. In den „guten Zeiten“ zwischen uns, lästerte dieser dann über Gott und die Welt, darunter über seinen „guten“ Freund Frank Neuenfels, der sich bei Georg „beschwerte“, warum er denn nicht das 10-jährige moderiert, denn er sei ja schließlich die „Moderationsmaschine“ und mir Georg einiges nicht-nettes über ihn erzählte, später und in der Öffentlichkeit ihn aber als einer seinen besten Freunde beschrieb. Auch schickte mir Georg Fischer einige Akten zu dem Strafverfahren von Michael Wendler und posierte sich in meiner Gegenwart so, dass ihn die BILD-Zeitung ständig anrufe und Neuigkeiten über das Strafverfahren erkundigte und er sich im Endeffekt als „Gott“ präsentierte, der darüber entscheiden würde, wenn er beschützt und wen er fallen lässt. So liegt mir also das Gutachten über das Insolvenzverfahren von Wendlers Frau Claudia vor, aber auch – zumindest ein Teil der Akte über das Strafverfahren gegen Michael Wendler, über den in der Presse derzeit eigentlich nur wegen seiner 28 Jahre jüngeren Liebe Laura Müller geschrieben wird. Oder spätabends schickte einem der Georg Fischer eigentlich sehr private Bilder über seinen Gesundheitszustand, andererseits verkaufte mich ein Georg Fischer an die Öffentlichkeit, in dem er mich so hinstellte, als sei er aus dem Hotel geworfen worden, weil angeblich das Zimmer nur für eine Nacht bezahlt worden sei, was völliger Quatsch war. Ich könnte diese Geschichte noch unendlich weitererzählen, aber all das führte zu meiner Entscheidung, dass ich mir sagte, ich möchte so etwas nicht mehr. Ich möchte mit solchen Menschen nicht mehr.

Das 10-jährige Jubiläum, worauf ich unfassbar stolz und dankbar bin war mein größter Höhepunkt, mein lang erkämpftes Ziel, wenngleich Georg & Co. die Show völlig versiebt hatten, aber man mich in der Öffentlichkeit so hinstellte, als hätte ich diese Sendung verbockt. Produzent war ich definitiv nicht. Die komplette Verantwortlichkeit lag bei Georg und seiner Megamix GmbH.

Als ich an dem Montag nach dem Jubiläum in den Sender kam, tm3 war mittlerweile an den Start gegangen, saß ich auf meinem Bürostuhl und war leer, einfach komplett leer und ausgebrannt, obwohl ich ganz genau wusste, was ich zu arbeiten hatte. Es war also nicht so, dass ich nichts zu tun gehabt hätte, nein, ich konnte es nur nicht (mehr). Meine Kraft war völlig leer, mein Kopf war voll und leer zugleich. Und das zog sich in dieser Extreme fast zwei Wochen. Nur die allerwichtigsten Sachen hatte ich geschafft und das auch nur mit größter Mühe. Ich hätte eigentlich die ganze Zeit nur schlafen können und auch wollen. Jedes Telefonat, jede E-Mail war mir zu anstrengend, zu viel. Ich wollte nicht mehr Rechenschaft vor irgendwem abliefern, nicht mehr um etwas kämpfen, ganz gleich, ob das potenzielle Neukunden gewesen waren oder sonstiges. Ich wollte einfach nicht mehr reden. Von da an, hatte ich gemerkt, wie ich die vergangenen Wochen und Monaten deutlich über meine Grenzen gegangen bin, keine Ruhe hatte, innerlich ständig aufgewühlt und unruhig. Ständige Angst- und Verlustgedanken, ein ewiger Kreislauf, der kein Ende nahm und auf einmal sitzt man nach all den Anstrengungen zum 10-jährigen wieder im Büro und der normale Alltag kehrt ein? Nein, dafür hatte ich irgendwie einfach keine Kraft mehr.

Als dann Mitte Januar zu tm3 ein Artikel auf einem bekannten Medienmagazin erschien, in dem die BLM so ziemlich alles ausplauderte, durfte ich mich gegenüber Partner und Kunden erneut rechtfertigen. Und ich wollte mich nicht mehr rechtfertigen, tat es aber trotzdem, musste es. Ich musste kämpfen, weil uns sonst ein wichtiger Partner abgesprungen wäre und auf dieses Geld hätten wir nicht verzichten können. Und ich merkte, wie mir jedes noch so kleine Telefonat unfassbar viel Kraft nahm, Kraft, die ich nicht mehr zu holen wusste. Meine sonst positive Ader und den Satz „Du schaffst das!“, konnte ich nicht mehr aussprechen, weil diese Kämpfe schon zu lange gingen. Als dann Mitte Februar 2019 ich zunächst aus der Presse erfuhr, dass das VG Stuttgart nach anderthalb Jahren über das Eilverfahren negativ entschieden hatte, wusste ich, jetzt würde die LfK richtig loslegen. Gleichzeitig verabschiedete ich mich von meinem bisherigen Verwaltungsrechtler und fragte mich, was jetzt zu tun sei. Soll ich überhaupt noch etwas tun?! Eigentlich wollte ich nichts mehr tun, dachte mir, wir lassen es jetzt endgültig gut sein. Ich rief bei der LfK an und sprach mit dem Herrn Valentin Schleifenbaum und erzählte ihm, wie es in mir aussieht und das ich nun aufhören werde, ich für den Kampf zu müde sei und bat ihn, respektive die LfK um eine Verständigung, uns noch bis zum 8. März 2019 senden zu lassen und wir darüber hinaus dann die Verfahren nicht weiter betreiben würden. Er konnte mir in diesem Telefonat noch keine verbindliche Aussage mitgeben, er müsse dies erst noch mit Herrn Nave besprechen.

Ich für mich dachte mir, dass sie mein Angebot annehmen würden, wenn sie wüssten, dass ich nach dem 8. März 2019 aufhören würde, wir aufhören würden. Und dann kam der 22. Februar, als mich Astra Deutschland anrief und mir erzählte, ihnen liege eine Abschaltverfügung seitens der BLM als Vollstreckungshilfe für die LfK vor. Fast schon panisch war es nicht mehr die Frage, ob ich dagegen was tun möchte oder werde oder nicht. Ich wollte was dagegen tun, dachte mir, „nein, so einfach gehe ich hier nicht“ und fand mit einem ebenfalls in Stuttgart ansässigen Fachanwalt für Verwaltungsrecht einen äußerst kompetenten Anwalt, der zwar mitten im Umzugsstress sich befand, aber aufgrund der Dringlichkeit mit mir sogar noch am selbigen Abend gegen 23 Uhr über die Sache telefonierte und wir uns besprachen. Astra konnten wir bis Montag aufschieben, hatten uns mit denen verständigt. Noch am Sonntag zimmerte mein Anwalt eine mehrseitige Beschwerdebegründung, verbunden mit dem Antrag auf Erlass eines Hängebeschluss, der gleich am Montag in der Früh an den VGH in Mannheim gefaxt wurde. Mein Anwalt telefonierte gleich hinterher und am Dienstag die erlösende Nachricht, dass es geklappt hat. Und so war der Sendebetrieb erst einmal wieder gesichert und ich körperlich und psychisch völlig am Ende.

Von dem Gedanken, am 8. März aufzuhören, hatte ich mich wieder verabschiedet.

Ende Februar war dann klar und es wurde auch diagnostiziert: Burn-Out.

Und mir war klar, ich führe seit mindestens eigentlich anderthalb Jahren ein Leben, das für mich keines mehr war. Ständig umgeben von dem Kampf, dem Druck, den Ängsten und den Sorgen. Ich wollte wieder ein befreiendes Leben, frei von dem Kampf, frei von dem Druck, frei von dem Funktionieren müssen, endlich wieder lachen, wieder das Leben genießen können, egal ob das einfach das schöne Wetter gewesen wäre oder in Ruhe mal in einem Café sitzen und es sich gut gehen lassen.

Und es war auch klar, dass das mit „tm3“ nicht funktionieren wird können, denn dafür waren die Schlagzeilen in der Presse in den vergangenen Wochen schlichtweg zu negativ. Alle Agenturen, die im vergangenen Jahr noch zugesagt hatten, kamen dadurch nicht. Und mit denen Kunden, die ich noch hatte, wäre das finanziell alles nicht mehr zu stemmen gewesen.

Es hieß in der Öffentlichkeit, durch den Wegfall von „sonnenklar.TV“ würde mir/uns ein erheblicher Betrag monatlich fehlen. Viele nahmen an, dass sonnenklar.TV der Hauptgeldgeber gewesen wäre, mir privat meine Urlaube „sponsern“ würde, was in beiden Fällen totaler Nonsens gewesen war. Weder war sonnenklar.TV Hauptgeldgeber, noch wurde je einmal mir ein Urlaub „gesponsert“.

Viele glauben auch, dass mir es zu schaffen gemacht hatte, wie Leute in Foren über mich oder über den Sender geschrieben hatten. Ehrlich gesagt, hat mich das keine einzige Sekunde auch nur ansatzweise gejuckt, was irgendwer geschrieben hatte, denn absolut keiner wusste über irgendetwas auch nur ansatzweise Bescheid, wenngleich sich diese Menschen immer wieder als „Experten“ präsentierten. Es war als sehr witzig, sich diese zahlreichen Kommentare durchzulesen. Manchmal unterhaltsamer als jedes Fernsehprogramm.

Viele sind heute der Meinung, die Entscheidung über die Einstellung des Sendebetriebs hinge mit dem Strafverfahren gegen mich vor dem Amtsgericht Augsburg am 12. März zusammen, weil ich dies dort „verkündet“ hätte. Fakt ist, dass diese Entscheidung schon um Wochen vorher gefällt wurde, nur nicht in der Öffentlichkeit von mir kommuniziert wurde, aber als der Strafrichter mich über meine weiteren Pläne fragte, musste ich das natürlich sagen, wenngleich mir in diesem Verfahren bewusst wurde, wie schwierig, fast aussichtslos der finanzielle Kampf geworden wäre, denn zwar wurde ich wegen Insolvenzverschleppung und im Zusammenhang mit fünffachen Betrugs unter Einbeziehung einer früheren Verurteilung eines Verkehrsdelikts zu drei Einzelstrafen, insgesamt zu drei Jahren und vier Monaten, ausgesetzt zu Bewährung verurteilt, weil einige Sachen hiervon nicht oder nicht pünktlich bezahlt werden konnten, aber über diese Verfahrensabsprache wusste ich bereits im Vorfeld Bescheid. Bereits vor Wochen wurde mir in Aussicht gestellt, dass wenn ein vollumfängliches Geständnis abgelegt werden würde, ich eine Bewährungsstrafe bekommen würde. So war der Ablauf des Strafverfahrens am 12. März letztendlich keine allzu große Überraschung, wenngleich ich meinem Anwalt, Moritz Bode, der Staatsanwältin Cornelia Seidl, dem vorsitzenden Richter am Amtsgericht Thomas Kirschner und den beiden Schöffen unheimlich dankbar für gewährte zweite Chance und den daraus folgenden Neuanfang bin.

Einige sind ja, wie man so liest noch der Meinung, dass noch ein weiteres Verfahren gegen mich laufen würde, die Strafanzeige seitens der LfK und der BLM wegen Urheberrechtsverletzung. Beide Verfahren sind entsprechend schon im Vorfeld der Hauptverhandlung vor dem Amtsgericht Augsburg eingestellt worden. Letztlich hat mich aber dieser Tag, diese Verhandlung in meiner Entscheidung, den Sendebetrieb am heutigen 31. März einzustellen, bestätigt.

Die Anträge auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens für alle drei Gesellschaften wurden bereits gestellt. In der Öffentlichkeit wurde zu Teilen geschrieben, die Sender, respektive die dahinterstehenden Firmen seien pleite. Dem war absolut nicht so. Bis zuletzt haben wir monatlich zwischen 30.000 und 40.000.- Euro verdient, ohne das Zutun sonnenklar.TVs. Im Angesicht der Umstände immer noch einen beachtlichen Umsatz erwirtschaftet. Für den verwaltungsgerichtlichen Kampf, den Schuldenabbau und die gleichzeitige Aufrechterhaltung des Sendebetriebs in Summe allerdings zu wenig.

Gute 150.000 bis 200.000.- Euro hätte es künftig monatlich gebraucht um alles zusammen tragen zu können.

Am Tag nach dem Urteil vor dem Amtsgericht Augsburg, über das zuerst die „Augsburger Allgemeine“ und später dann auch diverse Online-Medien berichteten, war dann auch klar, dass die Verbreitung über Astra Deutschland nicht länger zu tragen gewesen wäre, gleichzeitig war über die Presse bereits bekannt, dass wir den Sendebetrieb zum 31. März 2019 einstellen werden. Und so nahm uns Astra um 14:47 Uhr vom Satelliten. Und so endete nach viereinhalb Jahren die Satelliten-Verbreitung. Gleichzeitig flogen auch die Kabelverbreitungswege weg, da sich jede Plattform dem Satelliten-Signal bediente.

Ehrlich gesagt, war ich darauf schon ein paar Tage vorbereitet und als es endlich soweit war, ging es mir gut, denn hier spürte ich schon, wie ein großer Stück des Drucks, des Kampfes, der ganzen Erwartungshaltung anderer von mir fiel und das fühlte sich so gut an. Weniger gut, war leider der Umstand, dass ich nicht mehr die Möglichkeit hatte, unseren Partnern und Kunden das im Vorfeld der ganzen Presseberichterstattung selbst die Mitteilung zu machen, dass wir nach Ablauf des 31. März 2019 gehen werden. Das nahm mir leider die Presse ab, was dann für große Irritationen bei vielen unseren Partnern und Kunden hervor rief. Einige aber auch verstanden mich, diesen Weg zu gehen und auf meine Gesundheit nun achten zu müssen. Diese gesprochenen Worte taten wirklich gut.

tm3plus war bereits ein paar Tage zuvor schon eingestellt worden, da die Bayerische Landeszentrale für neue Medien (BLM) durch den unanfechtbaren Beschluss des Bayerischen Verwaltungsgerichtshof in München in den Besitz eines Haftbefehls gekommen ist – trotz dessen, dass tm3plus durch die eigentlich auch nachweise Drosselung der technisch zu erreichenden Zuschauerzahl gemäß § 2 RStV nicht mehr dem Rundfunk unterfallen wäre, hatte dies die BLM kategorisch ignoriert. Letztlich auch kein Wunder, denn die anderthalb Jahre, in denen ich der BLM die Stirn geboten hatte, zu deren völliger Überraschung, schien das für die BLM die Option zu sein, ihren geschassten Sender zur Einstellung gezwungen zu bekommen. Als letztes Instrument rief ich kurzerhand das Bundesverfassungsgericht an und reichte eine Verfassungsbeschwerde, verbunden mit dem Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung ein. Das Bundesverfassungsgericht nahm die Verfassungsbeschwerde nicht zur Entscheidung an.

Die letzten zweieinhalb Wochen seit dem Bekannt ist, dass wir am heutigen Sonntagabend den Sendebetrieb einstellen, fühlten sich richtig gut an. Ich merkte immer mehr, wie gut und richtig sich diese Entscheidung anfühlte. Ich fing an, mich wieder befreit zu fühlen, selbst die Kleinigkeiten des Lebens wieder zu genießen, einfach mal in einem Café zu sitzen, ganz entspannt und es genießen, ohne sich Gedanken oder Sorgen um etwas machen zu müssen. Ich komme langsam wieder in die Phase, in dem ich das Leben genießen kann, unbeschwert lachen kann. Sämtlicher Druck und Zwang ist weg. Die ersten Male, in dem ich nach Ewigkeiten als mal den einen oder anderen Tag Zuhause geblieben war und mich einfach um mich kümmerte, mal nach langem wieder richtig ausschlafen konnte, fühlten sich zwar irgendwie komisch, neu, aber dennoch gut an.

Ich kann endlich wieder das machen, was ich vermisst habe, was mir gut tut und vor allem, was mir Spaß macht.

Auch habe ich viel Zeit die letzten Jahre Revue passieren zu lassen, alles Geschehene in Ruhe zu verarbeiten und vor allem mich endlich um meine Gesundheit kümmern zu können. Alle Beschwerden in den vergangenen Jahren hatte ich zuteil ignoriert und gekämpft, gekämpft und nochmals gekämpft.

Die mir irgendwann abhandengekommene Freude auf das Leben, so merke ich, gewinne ich langsam wieder Stück für Stück zurück und darauf freue ich mich und weiß für mich, dass ich voller Dankbarkeit und Demut, aber auch in Frieden ein wichtiges Kapitel meines Lebens, meine Sender, hinter mir lassen kann und bin ebenso dankbar über all die Erfahrungen und Erlebnisse, denn diese haben mich sehr geprägt und zu dem Menschen gemacht, der ich hier und jetzt bin und mir diese auf der weiteren Reise meines Lebens hilfreich sein werden.

Wenn also irgendwo geschrieben wurde, man hätte mich in irgendeiner Form „zu Fall gebracht“, dass trifft das absolut nicht zu. Ich habe meinen innerlichen Frieden gefunden, bin – wie bereits gesagt – dankbar und demütig über all die Erfahrungen und Erlebnisse, die positiven, wie auch negativen Menschen um mich herum. Und so bin ich einfach unendlich glücklich weit über 10 Jahre anfänglich einen und dann später zwei TV-Sender, einer davon viereinhalb Jahre über Satellit, Kabel & Co. verbreitet gewusst zu haben, betreiben haben zu dürfen. Heute ist meine Sichtweise auf das Leben so, dass ich weiß, dass all die positiven Geschichten nicht selbstverständlich sind und ich habe Respekt vor dem Leben.

Jetzt freue ich mich auf die nächste Zeit. Auf die Zeit mit meiner Familie, Freunden und auf die Zeit in Spanien, meiner zweiten Heimat.

Wie sagte es einst Uli Hoeneß: „Das war's noch nicht!“

Herzlichen Dank an alle (treuen) Zuschauer, Partner, Kunden und Weggefährden, die uns all die Jahre begleitet und unterstützt haben, insbesondere auch an Daniel, der seit fast neun Jahren an meiner Seite war und ist und der zugleich der beste Designer und treueste Freund und Mensch für mich ist.

So freue ich mich auf eine tolle Zukunft! Und ganz gleich, was viele Menschen von mir denken, sei ihnen gesagt: Es hat mich noch nie interessiert und es interessiert mich auch weiterhin nicht! Ich werde auch weiterhin mein Ding machen und vertraue auf mein Gefühl und auf die Kraft und den Glauben Gottes!

In diesem Sinne, verbleibe ich

mit besten Grüßen

Timo C. Storost