Sonntag, 16.06.2019 | 15:15 Uhr

Mein Weg zurück – Teil 3

Alle Medien werden vereint


Meine neue Chance – Der Neuanfang

In den vergangenen Wochen hatte ich viel Zeit darüber nachzudenken, wie es weitergehen soll und wird. Nach dem der ganze Druck, der die vergangenen Jahre auf mir gelastet war, erst einmal von mir wich, worüber ich ziemlich erleichtert und glücklich war und ich wieder einigermaßen das Gefühl eines „normalen“ Lebens spürte, morgens einfach mal ganz entspannend sich bei schönem Wetter in ein Café zu setzen und den Moment zu genießen, ohne Druck und Zwang. Dieses „Funktionieren-müssen“ gab und gibt es nicht. Alles, was man macht dann, wenn man sich dazu bereit fühlt und vor allem muss das, was man macht oder machen will, sich gut anfühlen und das war eines der größten Unterschiede im Vergleich zuvor. Entweder hat es sich nicht mehr gut angefühlt oder man wusste schon gar nicht mehr, ob und wann sich etwas, was man macht oder wozu man sich entschieden hat, gut anfühlte, geschweige die Unsicherheit des eigenen Handels. Es fiel unglaublich schwer, das Gespür für die richtige Entscheidung zu treffen.

Im Grund genommen waren die letzten zwei, drei Jahre, wie wenn man sich im Meer befand, das Wasser stieg und stieg, die gekonnten Schwimmtechniken nicht ausreichten und man darum kämpfte, nicht zu ersaufen, das sich an jedem Gegenstand, den man im Meer fand, festzuhalten, ohne zu wissen, ob das der richtige Gegenstand ist, den man braucht, um eben nicht unterzugehen.

Fernsehen machen, kann Spaß machen und machte auch Spaß. Das sich immer wieder neu erfinden, vor und hinter der Kamera. Nur war der Strudel, in den man sich selbst – durch die Fehlentscheidungen – hineinbegab, irgendwann zu „heftig“, als das es eine geglaubte Möglichkeit gab, sich diesem wieder zu entziehen. Der Kampf im Kampf, beschreibt das Tun und Handeln der vergangenen Jahren wohl sicher sehr gut.

Das abendliche Nachhausekommen endete meist mit absoluter Erschöpfung. Von Kreativität weit gefehlt. Kopfschmerzen und das Gefühl, dass der Kopf gleichermaßen voll, wie leer ist, jedes Denken zu viel war und der Drang und Wunsch des Schlafens immens war, wenngleich das Schlafen, egal zu welchem Zeitpunkt nie ansatzweise erholsam war. Der Abstand zwischen Feierabend, der kein Feierabend war, bis hin zum nächsten Morgen, in dem der Kampf in die nächste Runde ging, war gefühlt, wie tatsächlich stets zu groß. Jedes Telefonat, jedes Rechtfertigen, jede Diskussion, jede Verhandlung, jedes Thema um und mit Geld war zu viel. Es gab im vergangenen Oktober einmal eine Szene, die werde ich selber für mich wohl nie vergessen und die sinnbildlich dafür steht, wie letztendlich meine Psyche eigentlich aussah. Es war im Oktober vergangenen Jahres. Ca. um 09:00 Uhr war ich im Büro, erst einmal frischen Kaffee und Post checken, das Übliche. Die übliche tägliche Arbeit und auch der fast schon üblich gewordene Kampf, die aufgelaufenen Schulden abzutragen. Es ging am Nachmittag – wieder einmal - mit einigen Gläubigern der GmbH zu sprechen. Vorschläge unterbreitet, telefoniert, E-Mail geschrieben, abgewartet. Es war einer der Tage, an dem es mir zu viel war, ich die Augen kaum noch offenhalten konnte. Ich war innerlich so müde und so erschöpft, wusste aber, dass noch Dinge erledigt werden mussten und ich nicht einfach nach Hause hätte gehen können und das, was noch zu tun gewesen wäre, am nächsten Tag hätte tun können. Ich hatte aber in diesem Moment aber auch nicht mehr die Kraft, die Augen offenzuhalten. Was tat ich? Ich legte mich auf den Boden, nahm meine Jacke als Kissen, eine andere als Decke, stellte mir den Wecker für eine halbe Stunde später und schlief prompt ein. Zwar nur eine halbe Stunde, immer noch erschöpft, aber zumindest ein wenig Kraft, um den Rest des Tages durchstehen zu können. Heute, wie damals erstreckte mich das ziemlich und so wusste ich für mich: Nie wieder solch ein Moment!

Wenn ein Kampf gewonnen war, begann an anderer Stelle der Kampf erneut. Und das Wochenende half zur Erholung kaum etwas. Glücklich darüber, dass Freitagabend ist, endlich Ruhe, keiner wird anrufen und keiner wird eine E-Mail schreiben wollen. Zeit und Ruhe für mich. Den Samstag stets dafür genutzt, die Dinge zu erledigen, die unter der Woche kaum oder gar nicht möglich gewesen wäre, den Sonntag meist durchgeschlafen, vor lauter Erschöpfung und die wieder aufkommende Angst vor der neuen Woche. Wieder fünf lange Tage, fünf lange Tage des Kampfes.

Wenn es dann mal Tage gab, an denen ich geschäftlich unterwegs war, hatte ich meist ein flaues Gefühl im Bauch, denn ich hatte das Gefühl, wenn ich nicht im Büro bin, könnte ich etwas wichtiges verpassen, etwas, was eventuell einen neuen Kampf bedeutete. Daher war es für mich unmöglich in all den Jahren, unter der Woche sich mal selbst einen freien Tag zu gewähren.

Ich habe meine (damalige) Arbeit geliebt, aber sie hat mich auch gleichzeitig psychisch kaputt gemacht. Kaum vorstellbar für jemanden, der in dieser Situation nicht steckte.

Seit Ende Januar nehme ich auf anraten meiner behandelten Ärzte das Medikament Amitriptylin und bin darüber sehr dankbar, denn es hat mich innerlich ruhiger gemacht und lässt mich nicht mehr so wild denken und grübeln, auch im Hinblick auf meine Panikstörung, die dadurch zwar nicht weg ist, aber zumindest nicht mehr in dieser Extreme stattfindet, wie davor.

Nach den Wochen der – verhältnismäßigen – Ruhe, der Zeit für sich, die Zeit, das Leben wieder zu erkennen, zu wertschätzen und in jedem Augenblick das Schöne zu erkennen, habe ich mir auch darüber Gedanken gemacht, was ich eigentlich will und vor allem auch darüber, was ich nicht mehr will und das sind die Gefühle und Erlebnisse der vergangenen Jahre. Ich bin zwar auch darüber dankbar, dass ich habe lernen dürfen, denn jede Erfahrung und jedes Erlebnis im Leben eines Menschen, macht einen zu der Person, die man hier und jetzt ist. Und durch 10,5 Jahre einen bzw. zwei Fernsehsender zu leiten, hat man nicht nur die Materie, das Business, das Know-How mehr und mehr kennengelernt, sondern selbst ist man – vor allem auch aufgrund der langen Zeit – daran enorm gewachsen, reifer und schlauer geworden.

Und das Medienbusiness ist mein Zuhause, wenngleich es ein Haifischbecken ist, in dem man entweder bestehen kann, es aushalten kann oder man gnadenlos untergehen kann. Eines ist aber auch sicher: Man muss mit dem was man macht, polarisieren. Der einfache Standard kann nichts erreichen. Es braucht etwas, worüber die Leute sprechen. Es braucht etwas, das die Menschen anzieht. Es braucht die beiden Lager, die Fans und die Hates. Es braucht positives, überraschendes, aber auch negatives. Es braucht Mut und Ausdauer. Und es braucht die Demut und die Bodenständigkeit, wenn es gut läuft und den Glauben an sich und an das was man macht, wenn es Momente gibt, wenn es weniger gut läuft.

Das Neue wird groß werden, sicher nicht zu Anfang, denn man sollte immer eine Stufe nach der nächsten gehen und nicht den Versuch, drei oder mehrere Stufen auf einmal nehmen zu können, denn sonst könnte man womöglich das Gleichgewicht verlieren und rückwärts die Treppe hinunter purzeln. Und das tut womöglich weh.

Und doch braucht es Ziele! Im zweiten Blog-Teil sprach ich von „echt“ und „nah“ und das ist richtig so. Wir wollen und wir werden eine Plattform starten, die mehrere Medien bündelt und zusammen vereint. Die Neue wird sich auszeichnen und hervorheben, weil sie vieles wird können:

Sehen, Hören, Lesen


Sie wird eigenes erschaffen, aber auch anderen die Möglichkeit verschaffen, erschaffenes sicht-, hör-, und lesbar zu machen.

Alles zusammen wird vereint, in eine Plattform.

Und in dieser neuen Plattform taucht kein Family TV, kein blizz und auch kein tm3 auf.

Und die Neue wird für jeden frei zugänglich sein...