Samstag, 15.06.2019 | 01:13 Uhr

Mein Weg zurück – Teil 2

Ein klassischer Fernsehsender wird’s nicht mehr!


Meine neue Chance – Der Neuanfang

Als ich 2008 in die Medienbranche eingestiegen bin und Family TV vorbereitete, hatte ich eine Studie gelesen, die besagte, dass IP-TV oder auch Internetfernsehen mit den Jahren mehr und mehr kommen wird. Und ich hatte Recht behalten. Von 2009 bis 2014 war Family TV ein reiner Internetfernsehsender, der erste überhaupt mit einem 24-Stunden-Programm. Und wir haben anfangs bei Agenturen und Kunden sehr stark kämpfen müssen, sie zu gewinnen, denn für die meisten war der Begriff „IP-TV“ ein Fremdwort. Und doch haben wir damit gutes Geld verdienen können. Von 2015 bis zum Schluss waren wir mit Family TV und später tm3 über Satellit und auch im Kabel vertreten. Nach einem kurzen Intermezzo bei Unitymedia, kam dann Eutelsat als erste Satellitenstation. Eigentlich nur als Signalzulieferungsquelle für die weiteren Kabelnetzer, wie NetCologne, primacom & Co, war der Wunsch der meisten Zuschauer, Family TV auch „richtig“ über Satellit zu empfangen.

Und so stieg ab April 2016 unsere Reichweite extrem. Die Bekanntheit und auch der Umsatz wurden um ein vielfaches größer, als je zuvor. Gleichzeitig begann aber auch die Zeit, in denen Streamingplattformen wie Netflix, maxdome, Amazon Prime und Co kamen und den Zuschauern für wenig Geld eine große Plattform mit vielen Inhalten boten und das ohne Werbung. Und so schrumpften nicht nur die Quoten aller TV-Sender und der Werbekuchen, von dem jeder (private) Sender etwas von abhaben wollte, sondern auch das Akzeptieren von acht bis zehnminütigen Werbeblöcken lies um ein vielfaches nach, als dann immer mehr und mehr die Rufe laut wurden, dass das klassische TV aussterben würde.

Und so ist das Potenzial im klassischen Fernsehen von Werbung leben zu können, immer geringer geworden. Viele (kleinere) TV-Sender mussten diese bittere Erkenntnis gewinnen, auch wir, wenngleich wir es mit über 10 Jahren lange ausgehalten haben und auch bis zuletzt Geld verdienen konnten, aber die Kosten im Gegenzug nicht gesunken waren. Heute, wie damals sind Preise allein bei Einspeisungen bei Satelliten- oder Kabelnetzbetreibern genauso hoch, wie noch vor einigen Jahren, während aber im Gegenzug der Werbekuchen geringer wird, auch weil die großen Sender immer mehr Sender nachgeschoben haben, um den Marktanteilsverlust zu kompensieren. Das Business ist wesentlich umkämpfter geworden, zwischen den Sendern selbst, aber auch kämpfen die Sender gegen die Zuschauern, denn es wird immer schwieriger guten und geeigneten Content für refinanzierbares Geld zu bekommen, gleichzeitig die Zuschauer nicht mehr die starren Sendezeiten akzeptieren. „Warum soll ich etwas um 20:15 Uhr sehen, wenn es sich nicht gerade um ein Großereignis handelt, wenn ich die Serie oder die Show doch auch in der Mediathek schauen kann, wann ich möchte?“

Die Werbeblöcke sind heute noch genauso lang, wie vor einigen Jahren, haben teilweise sogar zugenommen, nur die Zuschauer haben darauf schlichtweg keinen Bock und das erkennen nach und nach auch die Agenturen und die Kunden, denn sie wissen, dass sie ihre Zielgruppe nicht mehr (nur) im linearen Fernsehen erreichen, sondern auch online verstärkt Werbung gezielt platzieren können und müssen, wenn sie ihre Werbebotschaft erreichen wollen.

Und bis auf wenige Ausnahmen, die es im deutschen Fernsehen noch gibt, lebt das Fernsehen von Scripted-Realitys oder Programmen, die seit Jahrzehnten bereits laufen und die mehr und mehr an Abnutzungserscheinungen leiden. Um es kurz zu machen: Auf lineares Fernsehen hat (fast) keiner mehr Lust. Und heutzutage einen neuen Fernsehsender zu starten, kann definitiv die größte Fehlentscheidung überhaupt sein.

Einen neuen klassischen Fernsehsender würde ich heute nicht mehr starten. Und nach über 10 Jahren wird es auch Zeit etwas neues zu beginnen! Was wir machen werden, wird nah und echt sein! Wir vereinen alle Medien in eine Plattform, so viel sei im zweiten Teil meines Blogs schon mal gesagt...