Freitag, 14.06.2019 | 17:31 Uhr

Mein Weg zurück – Teil 1

Danke StAin Seidl und RiAG Kirschner!


Meine neue Chance – Ein Rückblick auf die vergangenen Monate

Am 12. März 2019 fand vor dem Augsburger Schöffengericht die Verhandlung gegen mich u.a. wegen Insolvenzverschleppung statt. Das liegt jetzt nun genau drei Monate zurück. Auch liegt es nun fast drei Monate zurück, als am 31. März 2019 der Sendebetrieb von Family TV / tm3 endete – nach über 10 ½ bewegenden Jahren mit vielen Aufs und Abs.

In dieser Zeit ist viel passiert. Das fängt mit der Sicht auf das Leben an, meine Firmen in die Insolvenz führen, bis hin das Vergangene zu verarbeiten.

Das sich etwas verändern wird, war mir klar, als wir das - mir unfassbar wichtige - 10-jährige Jubiläum von Family TV geschafft haben. Das war bekanntlich am 12. Januar 2019 – nach der Live-Sendung in Dortmund, die zugegebenermaßen nicht meinen Vorstellungen entsprach, wie sie hinterher über den Bildschirm flimmerte. Schon bei der Rückfahrt – vor genau fünf Monaten – am 13. Januar 2019 wusste ich nichts mehr zu denken.

All meine Kräfte waren zu Ende. Monatelang auf den 12. Januar 2019 hingearbeitet und am darauffolgenden Montag war ich innerlich komplett leer. Und das war nicht nur eine vorübergehende Phase. Es hielt an und wurde nicht mehr besser. Die zahlreichen Presseaktivitäten im Januar und im Februar, zuletzt als das VG Stuttgart nach 1,5 Jahren im Eilverfahren den Antrag nach § 80 V VwGO ablehnte, war ich des Kampfes müde. Für mich stand fest, dass es das war. Ich hatte zwar über meinen Anwalt die nächste Instanz angerufen, aber mir war bewusst, dass zu viel falsch lief und mein Bemühen alles wieder in geordnete Bahnen zu bringen, zu spät kam. Zwar hatte ich mich verändert, aber das was geschehen war, war geschehen.

Schon im Februar stand für mich fest, dass wir aufhören müssen. Dieser Kampf war nicht mehr zu gewinnen und ich wollte nicht mehr diesen Kampf auf vielen Ebenen gleichzeitig führen. Es hat mich nicht nur müde gemacht, sondern darunter litt auch meine Psyche und meine Gesundheit.

Und so entschloss ich mich, auch auf Anraten meines Anwalts zunächst für die erste GmbH Insolvenzantrag zu stellen. Dann folgte meine Einzelfirma und schlussendlich noch die zweite GmbH. Für alle Gesellschaften sind seit Mai 2019 die Verfahren eröffnet worden. Auch das bedeutete einiges an Arbeit, denn es mussten zahlreiche Unterlagen aufbereitet werden, Zahlungen, die im Wege von Zwangsvollstreckungen erfolgt waren in den drei Monaten vor dem Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens mussten aufgeschlüsselt werden, denn diese werden nun alle durch die eröffnete Insolvenz angefochten und müssen zurückgezahlt werden. Denn damit ein Insolvenzverfahren eröffnet wird, müssen die Verfahrenskosten gedeckt sein. Wäre dem nicht so, so würde ein Antrag mangels Masse abgelehnt werden und das wäre fatal gewesen.

Der 12. März 2019, so mein Strafverteidiger Rechtsanwalt Moritz Bode, solle ich als meinen zweiten Geburtstag betrachten. Symbolisch für die zweite Chance, trotz meiner Fehler, die ich heute zutiefst bereue. Ich habe dieser zweiten Chance vielen Menschen zu verdanken. Zunächst Moritz Bode, der sich in die Materie innig eingearbeitet hat, das Gespräch mit dem Richter Kirschner und der Staatsanwältin Seidl gesucht hat, um einen „Deal“ oder auch Verfahrensabsprache zu ermöglichen, der Staatsanwältin Seidl selbst, die eine wirklich sehr nette und äußerst kompetente Frau und Juristin ist, genauso wie der Vorsitzende Richter Herr Kirschner und seinen beiden Schöffen. Einer von ihnen sagte am Ende der Verhandlung im Bezug auf die gewährte Bewährung, dass „man auch Mensch bleiben müsste...“.

Da ich an Gott glaube, wusste ich, dass das sein Werk war, sein Zutun, anders kann ich mir die Geschehnisse nicht erklären, dass irrationalerweise ich das 10-jährige erleben durfte, kurz darauf, das Verwaltungsgericht den Eilantrag ablehnte und weitere vier Wochen später, ich das absolute Glück hatte, eine neue Chance zu bekommen.

Die Worte des Vorsitzenden Richters Kirschner sind mir bis heute im Kopf geblieben, dass über mir kein Damoklesschwert hängt, sondern eine Machete. Das zeigte mir nicht nur auf, dass ich eine neue Chance bekommen habe, sondern dass ich in der Vergangenheit viele Fehler gemacht habe. Und so bleiben sie mir stets im Kopf – seine Worte. Und das nicht nur bis die Bewährungszeit abgelaufen ist, sondern auch darüber hinaus.

Nach dem der Sendebetrieb Ende März 2019 eingestellt wurde, konnte ich mich nicht nur zu einem gewissen Teil um meine Gesundheit kümmern, sondern hatte einmal Zeit, über alles, was geschehen war, in Ruhe nachzudenken. Über vieles zu reflektieren und zu analysieren und mir Gedanken über die Zukunft zu machen. Auch kümmerte ich mich darum, dass die Insolvenzverfahren eröffnet werden konnten und konnte eine Zeit lang Weg fahren und somit Abstand von allem zu gewinnen, worüber ich ebenfalls sehr dankbar bin.

Ich würde heute sagen, dass das Jahr 2019 bisher ein gutes Jahr war. Ein Jahr der neuen Chance. Aber auch eines der Bewährung, des Reflektierens und der Wiedergutmachung.

Ich habe die drei Firmen nicht in die Insolvenz geführt, weil es von mir verlangt wurde, ich dazu verpflichtet war oder mir die Schulden vom Hals zu schaffen, sondern um – soweit es mir möglich sein wird, Schadenswiedergutmachung zu leisten. Ich war und werde es immer sein, ein Kämpfer und kämpfe nicht nur für eine bessere oder neue Zukunft, sondern auch darum, begangene Fehler, zumindest zu einem gewissen Teil wiedergutzumachen.

Ich lehne mich nicht zurück und sage mir, dass in spätestens sechs Jahren die Schulden mir erlassen werden, die auf der Einzelfirma und sodann auf mir lasten, sondern ich kämpfe dafür, dass ich in drei Jahren mindestens 35% der Schulden beglichen habe und das Insolvenzverfahren erfolgreich beendet werden kann.

Allen Menschen, denen ich in der Vergangenheit Schaden zugefügt habe, so sei ihnen gesagt, dass es mir nicht nur – aus tiefstem Herzen – leid tut, sondern ich und soweit es mir möglich sein wird, es, zumindest zu einem gewissen Teil wiedergutmachen werde. Natürlich wird das nicht morgen oder Übermorgen passieren, aber es wird mein Ziel sein, nicht nur für mich zu kämpfen, sondern auch darum, meine Fehler wiedergutzumachen.

Mein größtes Ziel wird es sein, nach Ende meiner Bewährungszeit im September 2022 nochmal auf die Staatsanwältin Seidl, den Vorsitzenden Richter Kirschner und wenn möglich auch auf die beiden Schöffen zu treffen und ihnen von den vergangenen dreieinhalb Jahren berichten und ihnen meine Dankbarkeit zum Ausdruck bringen möchte für die gewährte neue Chance. Ich möchte ihnen erzählen, wie erfolgreich die vergangenen dreieinhalb Jahre verlaufen sind und das ich – zumindest zu einem gewissen Teil – Schaden wiedergutgemacht habe. Warum ich das möchte? Weil ich mir wünsche, dass wenn die Staatsanwältin Seidl oder der Richter Kirschner in einem anderen Fall, bei einem anderen Angeklagten die Überlegungen anstrengen, ob sie ihm oder ihr eine Bewährung geben und sich dann daran erinnern, welch gutes daraus werden kann, wenn sie ihm oder ihr nochmal eine zweite Chance geben. Ihnen zeigen, dass „man muss auch Mensch bleiben...“ die richtige Entscheidung war. Dafür werde ich kämpfen! Das ist mein Ziel!

Im nächsten Monat habe ich mein erstes Gespräch bei der SKM in Augsburg. Bei jener Institution werde ich in naher Zukunft meine 200 Sozialstunden abarbeiten. Und ehrlich gesagt freue ich mich darauf. Ich freue mich darauf, anderen Menschen helfen zu können. Menschen, denen es nicht gut geht, warum und weshalb auch immer. Ich möchte diesen Menschen ein Lächeln ins Gesicht zaubern und bin mir jetzt schon sicher, dass es bei den 200 Stunden nicht bleiben wird, denn schon seit Ende 2017 treibt mich der Gedanke, ehrenamtlich tätig zu sein und der Gesellschaft etwas zurückzugeben, von all dem Glück, was mir in meinem Leben, trotz Fehlentscheidungen widerfahren ist.

Und so sage ich zum Abschluss meines ersten Blog-Teils:

Ich komme zurück!